Henry Kissinger ist ein Kronzeuge für die Gefahren Europas, die jeden von uns betreffen, meint Thorsten Schulte. Ausgehend von dieser Einschätzung beleuchtet er die aktuellen Entwicklungen der Geopolitik, die Ziele des Westens in der Auseinandersetung mit einem erstarkenden Russland und blickt auch auf die Deutschen, von denen seines Erachtens (zu) viele immer noch schweigen.

Henry Kissinger ist zugleich ein Kronzeuge für die Gefahren Europas, die jeden von uns betreffen. Jeden! Auch wenn dieser ehemalige US-Außenminister und Nationaler US-Sicherheitsberater Blut an den Händen kleben hat und nicht mein Vorbild ist, und ich gleich eine Geschichtstäuschung von ihm offenlege. Aber vielleicht spricht zumindest in einem Punkt die Altersweisheit zu uns: Dieser Mann weiß, dass er bald seinen persönlichen Sonnenuntergang erleben wird, und vermutlich meldet sich sein Gewissen nun immer stärker zu Wort.

Auch ein Oberst aus dem österreichischen Generalstab kommt in diesem Video zu Wort, mit entscheidenden Aussagen, die nicht so ganz zur Sicht der NATO-treuen Medien passen. Die Völker Europas müssen ihnen beiden zuhören. Wenngleich sie in unseren Medien nur Randfiguren in der Berichterstattung über die Ukraine und Russland sind. Leute wie Habeck und Baerbock bestimmen die Leitmedien, sie werden zu angeblichen Lichtgestalten verklärt, obwohl sie für mich Dunkelmänner bzw. Dunkelfrauen sind. Bevor ich ihn lobe, überführe ich Henry Kissinger jedoch der Täuschung. Gleich am Anfang seines Berichts vom 17. Dezember 2022 schreibt er:

„Der Erste Weltkrieg war eine Art kultureller Selbstmord, der die Eminenz Europas zerstörte. Die europäischen Staats- und Regierungschefs schlafwandelten – um es mit den Worten des Historikers Christopher Clark zu sagen – in einen Konflikt hinein, den keiner von ihnen angezettelt hätte, wenn sie die Welt am Ende des Krieges 1918 vorausgesehen hätten.“

Schlafwandler? Herr Kissinger, lügen sie die Menschen an? Selbst das deutsche angebliche Wahrheitsmagazin Der Spiegel vom 30. Oktober 1972 schrieb, was der britische Journalist Colin Simpson enthüllte, der ab 1964 für die britische Sonntagszeitung The Sunday Times arbeitete, vergleichbar mit Welt am Sonntag und FAZ am Sonntag:

„Marineminister Winston Churchill ließ die Cunard-Herren wissen, die Stunde der Bewährung nahe heran; der Krieg gegen Deutschland sei sicher, spätestens im September 1914 werde er ausbrechen.“

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Jeder kann das überprüfen. Es waren keine Schlafwandler, die den 1. Weltkrieg, den 2. Weltkrieg und den jetzigen eskalierenden Krieg zwischen NATO und Russland herbeiführten. Denn ist Letzteres nicht genau das, was in der Ukraine gegenwärtig geschieht? Aber Henry Kissinger schreibt ja auch Richtiges. Eine wichtige Kernbotschaft von ihm lautet:

„Manche bevorzugen ein Russland, das durch den Krieg ohnmächtig geworden ist. Dem stimme ich nicht zu. … Seine historische Rolle sollte nicht herabgewürdigt werden. Russlands militärische Rückschläge haben seine globale nukleare Reichweite nicht beseitigt, die es ihm ermöglicht, mit einer Eskalation in der Ukraine zu drohen. Selbst wenn diese Fähigkeit verringert wird, könnte die Auflösung Russlands oder die Zerstörung seiner Fähigkeit zu strategischer Politik sein 11 Zeitzonen umfassendes Territorium in ein umkämpftes Vakuum verwandeln. Seine konkurrierenden Gesellschaften könnten beschließen, ihre Streitigkeiten mit Gewalt beizulegen. Andere Länder könnten versuchen, ihre Ansprüche mit Gewalt auszuweiten. All diese Gefahren würden durch die Anwesenheit von Tausenden von Nuklearwaffen noch verschärft.“

Ja, manche Kräfte wünschen die Zerstückelung Russlands, seine Auflösung. Schauen wir uns nur die Karte neben mir an. Was westliche Eliten wünschen, müssen Russen fürchten: Alles wird unternommen, um Russland zu schwächen. Wie in den 1990-er Jahren, mit entsetzlichen Folgen für jeden Russen. Das deutsche angebliche Wahrheitsmagazin Der Spiegel schrieb über die Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel:

„Ihr hat gefallen, dass Churchills Vorgänger mal in einem anderen Licht gezeigt wurde. Nicht als ängstlicher Steigbügelhalter für Hitler, sondern als Stratege, der seinem Land den Puffer verschaffte, sich auf den deutschen Angriff vorzubereiten. München 1938 klingt da wie Bukarest 2008. Sie glaubt, damals und auch später bei den Verhandlungen von Minsk die Zeit gekauft zu haben, die die Ukraine nutzen konnte, um sich einem russischen Angriff besser widersetzen zu können. Sie sei ein stärkeres, wehrhafteres Land jetzt. Damals, da ist sie sicher, wäre sie von Putins Truppen überrollt worden.“

Hat Merkel damit nicht klar und deutlich gesagt, dass der Westen nur Zeit erkaufen wollte, auf dem Weg der Zerstückelung Russlands? Jeder möge die Quellen überprüfen. Die auflagenstärkste Tageszeitung in Italien zitiert die Ex-Kanzlerin Merkel mit den Worten:

„Die Anbahnung einer möglichen NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens, die 2008 diskutiert wurde, halte ich für falsch. Die beiden Länder erfüllten die Anforderungen nicht, und es wurde nicht einmal gründlich darüber nachgedacht, welche Folgen eine solche Entscheidung sowohl für die Reaktion Russlands auf Georgien und die Ukraine als auch für die NATO und ihre Hilfsregeln haben würde. Und die Minsker Vereinbarungen von 2014 waren ein Versuch, der Ukraine Zeit zu geben. Die Ukraine hat diese Zeit genutzt, um stärker zu werden, wie wir heute sehen. Das Land von 2014/15 ist nicht das Land von heute. Und ich bezweifle, dass die NATO viel hätte tun können, um der Ukraine zu helfen, wie sie es heute tut.“

https://expmx.com/de/2023/01/12/bewegung-von-schiffen-und-u-booten-mit-kalibr-raketen/

Die Minsker Vereinbarungen sahen eine Reihe von Regelungen für die selbsternannten russisch beeinflussten Republiken Donezk und Lugansk vor, die den Wunsch geäußert hatten, sich von der Ukraine zu trennen. Ziel war es, durch einen Waffenstillstand Zeit zu gewinnen und dann später den Frieden zu erreichen. Laut Merkel waren diese Vereinbarungen also nur ein Versuch, der Ukraine Zeit zu geben. Die Zeitung zitiert dann Merkel sogar mit den Worten:

„Wir alle wussten, dass es sich um einen eingefrorenen Konflikt handelte, dass das Problem nicht gelöst war. Aber das gab der Ukraine wertvolle Zeit.

Die Völker Europas sollten genau hinhören. Denn es geht um ihre Zukunft, um den Frieden auf dem gemeinsamen Kontinent, um unseren Wohlstand, unsere Sicherheit, den inneren wie den äußeren Frieden. Und für diejenigen, die der NATO-Propaganda von der Überlegenheit der Ukraine und dem baldigen Untergang Russlands Glauben schenken, zitiere ich einen Oberst aus dem österreichischen Generalstab:

„Wir dürfen nicht vergessen, dass die ukrainischen Streitkräfte mit dem, was sie hatten am Beginn des Krieges – und das war quantitativ die stärkste Streitmacht Europas –, den Abwehrerfolg erzielt haben, aber hier natürlich massiv abgenützt worden sind. Im Sommer kam es dann zum Nachschieben von Gerät aus dem Westen – das waren ca. 1.400 Panzer, Kampfschützenpanzer, gepanzerte Transportfahrzeuge. Auch die wurden in den Offensiven zu einem gewissen Maße verbraucht. Und der ukrainische Generalstabschef war jetzt ganz klar in seinen Aussagen. Er hat gesagt: ‚Ich brauche 300 Panzer, 600 bis 700 Kampfschützenpanzer. Ich brauche 500 Artilleriesysteme, damit ich wieder in die Offensive gehen kann.‘ Das heißt, die ukrainischen Landstreitkräfte müssen also zum dritten Mal aufgestellt werden und der NATO-Generalsekretär Stoltenberg hat es mit Nachdruck gesagt: ‚Die Ukraine braucht wieder mehr Waffen, um in die Offensive zu gehen.'“

Diese Stimme eines Mannes aus dem Generalstab Österreichs passt nicht so ganz zu der NATO-Propaganda in nahezu allen deutschen Medien. Die uns vorgaukeln, der russische Präsident Putin sei der Master of Desaster. Nun müssten demnach die ukrainischen Landstreitkräfte zum dritten Mal aufgestellt werden, so der Oberst. Es gibt entsetzliche Opfer in diesem Konflikt, der nun mit Schützenpanzerlieferungen, ja sogar im Raum stehenden Kampfpanzerlieferungen seitens der NATO-Staaten weiter angeheizt wird. Ich erwähne nochmals die Aussage von Kissinger:

„Manche bevorzugen ein Russland, das durch den Krieg ohnmächtig geworden ist.“

Zbigniew Brzeziński, wie Kissinger ehemaliger nationaler Sicherheitsberater der USA, ließ sich in seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ bereits im Vorwort aus:

„Aber bis es so weit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen könne.“ (Buch: ‚Fremdbestimmt‘, Fußnote 29: Zbigniew Brzeziński, ‚Die einzige Weltmacht‘, S. 16)

Und der US-Geostratege George Friedman träumt in seinem Buch „Die nächsten 100 Jahre“ davon: „Der Zusammenbruch Russlands zu Beginn der 2020er Jahre stürzt ganz Eurasien ins Chaos.“ Der russische Kollaps falle dabei mit „der chinesischen Krise“ zusammen. Laut Friedman macht der „Zerfall, der den gesamten Kontinent von Kasachstan bis zum Pazifik erfasst“, vor keiner Grenze Halt. Aus Sicht der Vereinigten Staaten sei dies eine durchaus begrüßenswerte Entwicklung, denn ihr fünftes Gebot verlange, dass „keine Macht in der Lage sein darf, Eurasien zu beherrschen“. Friedman frohlockt: „Da Russland und China im Chaos versinken, ist diese Gefahr in weite Ferne gerückt.“ (Buch: ‚Fremdbestimmt‘, Fußnote 32: George Friedman, ‚Die nächsten 100 Jahre‘, Campus Verlag, Frankfurt / New York 2009, Seite 165).

Ein US-Professor veröffentlichte am 28. Dezember 2022 ein Schaubild, welches wir unbedingt kennen müssen. Es vergleicht die US-Hilfe für die Ukraine von 113 Milliarden US-Dollar mit den Verteidigungsausgaben Indiens von nur 76,6 Milliarden und denen Russlands von nur 65,9 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021.

Erkennen wir, wie sehr hier mit dem Feuer gespielt wird? Mit der Gefahr eines Weltenbrandes? Wollen wir das? Deutschlands und Europas innerer wie äußerer Frieden stehen auf dem Spiel.

Ja, es geht auch um den inneren Frieden. Ich zeige nur den Anstieg der Erzeugerpreise in Deutschland, die so stark angestiegen sind wie in keinem anderen Industrieland. Der Wert liegt sogar über dem Durchschnitt für Euroland. Während in China die Erzeugerpreise fallen, explodieren sie in Deutschland. Wenn die Preise deutscher Unternehmen für die Erzeugung von Gütern immens steigen, viel stärker als anderswo. Dann zerstört dies die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Der soziale Frieden kann in Deutschland nur gesichert werden, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dies ermöglicht. Der Abstieg Deutschlands wird nicht mehr aufzuhalten sein, wenn wir zwischen Westeuropa und Russland weiter eskalieren. Wollen wir das? Wollen wir uns sehenden Auges ins Verderben stürzen?

Die Mehrheit der Deutschen schweigt derzeit – und stimmt damit zu. Sie riskiert die Zukunft des Landes, den inneren, den sozialen wie den äußeren Frieden. Bleibt zu hoffen, dass immer mehr Menschen aufwachen und erkennen, wer den Frieden, unsere Freiheit und die Wahrheit bedroht.

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Von Thorsten Schulte via R T

Thorsten Schulte ist eine Stimme der Vernunft zu Wirtschaft und Politik in Europa. Er ist der Autor von Büchern wie „Kontrollverlust – Wer uns bedroht und wie wir uns schützen“ (Spiegel-Bestseller Platz 1, mit Vorwort von Willy Wimmer) und „Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung„, redet Tacheles, deckt auf, klagt an und entwirft einen besseren Weg für Deutschland. Sein YouTube-Kanal heißt Silberjunge Thorsten Schulte und sein Telegram-Kanal Silberjunge Thorsten Schulte Offiziell.

Von Morpheus

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