Unter den Fetischisten des Krieges sticht der Grüne Anton Hofreiter um eine Nuance unter den anderen Kollegen hervor. Dabei zeigt er ein Gespür für die absolute Gefühllosigkeit.

Mitte Dezember hat Anton Hofreiter den Berliner Verlag besucht. Auf der Veranstaltung wurde er gefragt, wie eine diplomatische Lösung beim Ukraine-Konflikt aussehen könnte. Seine naheliegende erste Antwort hätte lauten müssen: „Thema verfehlt, setzen: sechs.“

Zunächst mal sei klar, dass Deutschland viel „robuster“ und „abgezockter“ werden müsse, befand Hofreiter. Das bezog er vornehmlich auf die China-Politik, und ja, das macht Sinn, schließlich ist ein Konflikt allein mit Russland längst nicht ausreichend, um die Bedürfnisse eines grünen aus der Bundeswehr ausgemusterten Biologen zufriedenzustellen.

Hofreiter kommt aber doch auf diese Sache mit der Diplomatie zu sprechen:

Putin sagt im Grunde ganz offen, dass er kein Interesse an einer diplomatischen Lösung hat.“

Nun, das muss man erst mal bringen! Putin hat noch im Dezember 2021 die klare diplomatische Botschaft gesendet, dass eine Lösung für die Ukraine gefunden werden muss. Doch die Hofreiters auf beiden Seiten des großen Teichs haben entweder wie Muppets-Figuren in ihre Mäntel gegrinst oder Putins Hinweis als der Ignoranz für würdig befunden.

Gossensprache eines Verlierers

Ich stelle fest, dass ich etwas unsachlich schreibe, bitte auch um Nachsicht, wenn ich einen alten Spruch aus dem Hut zu zaubere, der heute nicht mehr bemüht wird, um die Umwelt zu schonen: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Und Hofreiter ruft mit einem Vokabular hinein, dass es nur ein passendes als Antwort gibt: seines!

Laut Hofreiter sei Putin ein

„Straßenschläger, der erst zurückweicht, wenn ihm die Nase gebrochen wird.“

Ich reibe mir verwundert die Augen und frage mich, ob der Verlierer Hofreiter immer noch daran zu knabbern hat, dass er faktisch nichts zu melden hat. Als gefühlt theoretisch bester Landwirtschaftsminister musste er zusehen, wie ein abgehalfterter Sozial-Pädagoge namens Özdemir ihm den Treckerplatz wegnahm. Als Vorsitzender des „Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union“ interessiert sich für ihn letztlich keine Sau.

Hofreiter ist der Meinung, Putin besser zu kennen als dessen eigene Mutter, so muss man vermuten. Denn die „Berliner Zeitung“ schreibt:

Putin verfahre nach seiner eigenen, imperialen Logik aus dem 19. Jahrhundert. Er denke in viel größeren Zeiträumen. Frage sich: Wie wird man in 100 Jahren auf seine Eroberungen blicken? Da seien auch Hunderttausende Tote nebensächlich. Dabei warnte Hofreiter ebenfalls davor, das revisionistische Russland von heute mit der Breschnew-Sowjetunion zu verwechseln. Während ersteres auf Expansion setze, sei letztere an Stabilität interessiert gewesen.“

Dagegen könnte man einwenden, dass Putin beim aktuellen Ukraine-Konflikt wohl in erster Linie an die vergangenen acht, nicht an die kommenden 100 Jahre gedacht hat. Man darf aber zur Ehrenrettung Hofreiters nicht ausschließen, dass er über die Hintergründe der jahrelangen Angriffe von Kiew auf die Ost-Ukraine in der Grünen-Schule schlicht nicht aufgepasst hat und daher mit einem intellektuellen Vakuum beim Thema Donezk zu kämpfen hat.

Und wenn wir schon über die Zukunft sprechen: Ein Anton Hofreiter täte gut daran, sich zumindest mal mit den nächsten 100 Tagen zu beschäftigen. Er würde womöglich erkennen (zugegeben, die Wahrscheinlichkeit ist überschaubar gering), dass dieser Zeitraum für die deutsche Bevölkerung eine ernste Herausforderung darstellt, da doch der Anton, die Annalena und der Robert gerade dabei sind, die wirtschaftlichen Grundlagen Deutschlands gegen die Wand zu fahren.

Aber das ist ja noch vergleichsweise harmlos.

Krieg‘ ich bitte Krieg?

Am coolsten fände Hofreiter es, wenn die Ukraine NATO-Mitglied werden würde. Das sei kostengünstig und auch sonst echt schön. Ginge das nicht, wären 3.200 Leopard-Panzer für die Ukraine super. Denn, so Hofreiter:

Dann wird niemand sie mehr angreifen.“

Das Publikum der Veranstaltung soll etwas skeptisch gewesen sein, wurde doch vor dem Krieg die Ukraine auch vom Westen als hochgradig korrupt und mit viel Macht für oligarchische Netzwerke bezeichnet. Für Hofreiter aber kein Thema, schließlich sei die Ukraine seit dem Putsch … pardon: der Revolution von 2014 geeint und demokratisiert, und zwar „radikal“.

„Radikal“ – ja, das stimmt wahrhaftig, denn was für ein paar Milliarden US-Dollar in der Ukraine 2014 installiert wurde, ist mit „radikal“ noch ausgesprochen zurückhaltend auf den Punkt gebracht. Einen weiteren Umstand musste Hofreiter den Zuschauern erklären, wie die „Berliner Zeitung“ schreibt:

„Auf die Nachfrage, wie nach dieser Einschätzung denn der Angriff der Amerikaner auf den Irak zu bewerten sei, kritisierte er den ‚völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Neocons unter George W. Bush‘, aber suchte einen Unterschied zwischen dem ‚Volkskrieg‘ Russlands gegen die Ukraine mittels Mobilisierung gegen eine Demokratie und dem Angriff einer amerikanischen Berufsarmee gegen eine Diktatur. Das überzeugte nicht alle Gäste.“

Vielleicht waren die Zuschauer auch deshalb nicht so richtig überzeugt, weil das, was Hofreiter hier als Rechtfertigung für den brutalen US-Krieg gegen den Irak anführte, bei Licht betrachtet ein zum Himmel schreiender Unsinn ist. Man weiß es aber nicht so genau.

Sollen sie halt Seltene Erden essen!

Hofreiter weiß genau, wie Geopolitik funktioniert. Er entwickelte eine Strategie gegenüber China, in der die Ukraine eine Rolle spielt. Denn China hat ja ein paar nette Dinge, die wir auch gut brauchen können. Diese Seltenen Erden etwa. Die haben wir zwar nicht, aber den Chinesen, denen zeigt der Hofreiter, Anton es schon. Und so sagte der weiße weise Mann:

Wenn uns ein Land Seltene Erden vorenthalten würde, könnten wir entgegnen: ‚Was wollt ihr eigentlich essen?'“

Zack, da haben wir es! Die Ukraine gehört zu den größten Exporteuren von Weizen, und wenn der Anton und der Wolodymyr dem Xi kein Weizen mehr verkaufen, ist Holland … pardon: China in Not. Alter Fuchs, der Hofreiter!

Dazu passt auch, dass der Diplomat a. D. der Meinung ist, man müsse in der internationalen Politik auch mal „mit dem Colt auf dem Tisch“ verhandeln.

Und wenn man sich fragt, wie Hofreiter so viel geballten und zutiefst aggressiven und kriegsbereiten Blödsinn verzapfen kann, ohne Hilfe zu haben, sei die Antwort kurz und knackig: Aber der Gute hat doch Hilfe!

Chef böse sein

Jetzt gibt es noch was fürs Herz. Denn der Anton ist sich seiner Verantwortung durchaus bewusst. Auf der Veranstaltung sagte er, dass es US-Senatoren gebe, die „stinksauer“ auf die Europäer seien. Immerhin investierten die USA 90 Prozent dessen, was für die Befreiung des Landes mit Milch und Honig (kurz: Ukraine) nötig sei. Da müssten wir schon mindestens die fehlenden 10 Prozent tragen.

Womit wir beim krönenden Abschluss eines Meisters der klaren Worte und es vernebelten Verstandes wären. Hofreiter hat offenbar mit gewichtigen Kräften der USA gesprochen, von denen einer auf den Punkt brachte, was den Anton umtreibt. Es ist nicht überliefert, wer zu Anton Hofreiter das sagte, womit ihn die „Berliner Zeitung“ zitiert:

Der Krieg ist doch bei euch in Europa, nicht in Amerika, sagen die.“

Ja, Anton, eben, merkst es selber, oder?

Oh! Nein, tust du nicht.

Quelle: Von Tom J. Wellbrock, Ru To

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Sprecher, Texter, Moderator und Mitherausgeber des Blogs „neulandrebellen„.

Von Morpheus

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