Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind allein in diesem Jahr tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.

Handwerkspräsident hinterfragt Energiewende „in tiefster Energiekrise“

Handwerkspräsident Jörg Dittrich (Archivbild).

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, hat mit Blick auf die Belastungen der Unternehmen in der Krise vor einem Scheitern der Energiewende gewarnt:

„Uns droht, dass die Energiewende scheitert, weil die Betriebe vorher insolvent sind, wenn sie Energiepreise aufbringen müssen, die sie nicht stemmen können.“

Für eine Energiewende forderte Dittrich einen sinnvollen Plan. Der bisherige Plan müsse repariert werden, denn:

„Wir sind jetzt gerade in der tiefsten Energiekrise.“

Die Gesellschaft, die Wirtschaft, das Handwerk brauchten verlässliche Energie zu bezahlbaren Preisen. Deshalb sei ihm die Debatte über das Vorziehen des Kohleausstiegs auf 2030 unverständlich.

„Der Enthusiasmus, eine neue Debatte anzufachen in der tiefsten Krise, die wir gerade erleben bei der Energie, den kann ich nicht verstehen. Wir sind mittendrin, warum führen wir diese Debatte?“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck dringt auf einen früheren Kohleausstieg im Osten. Dittrich weist hingegen darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen einem Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen und im Osten, etwa in der Lausitz, gebe.

„Es geht nicht, dass diese Region die Hauptlast tragen soll.“

Ein Viertel aller europäischen Haushalte hat Probleme mit den Heizkosten

Mehr als ein Viertel der Europäer hat Probleme, seine Wohnungen zu heizen und Schulden für Unterkunft und Versorgung zu bezahlen. Das haben ungarische Medien am Freitag unter Berufung auf eine Umfrage der Denkfabrik Századvég berichtet.

Laut der Umfrage, die den Namen „Europe Project“ trägt, sind 26 Prozent der befragten Personen, also auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet etwa 100 Millionen Menschen, nicht in der Lage, ihre Wohnungen angemessen zu heizen. Am stärksten betroffen sind offenbar die Griechen, von denen 56 Prozent der Bevölkerung mit Heizungsproblemen zu kämpfen haben. In Portugal und Frankreich berichteten 34 Prozent der Einwohner über die gleichen Probleme. Finnland, Ungarn, Österreich und Dänemark waren am wenigsten betroffen, hier gaben weniger als 15 Prozent der Einwohner Schwierigkeiten zu.

„Zombifizierung“: Großinsolvenzen 2022 auf Rekordniveau – Besserung ist nicht in Sicht

U. a. die Erhöhung der Leitzinsen 2022 durch die Zentralbanken zeigt nun auch in Deutschland ihre Wirkung: 217 Großunternehmen meldeten laut der Unternehmensberatung Falkensteg im vergangenen Jahr Insolvenz an. Das berichtet der Focus. Als Großunternehmen zählt jede Firma, die mindestens zehn Millionen Euro Umsatz verbucht. 217 solcher Insolvenzen sind 65 mehr als noch im Vorjahr, das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent. Der Gesamtumsatz dieser insolventen Unternehmen beträgt mittlerweile 11,6 Milliarden Euro – Tendenz steigend, denn zahlreiche Unternehmen haben ihre anstehende Insolvenz durch die staatlichen „Corona-Hilfen“ weiter aufschieben können.

Spätestens seit der Corona-Krise 2020 und der damit verbundenen Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbanken infolge niedriger Zinsen, also der massiven Neuverschuldung der Staaten, warnen Finanzexperten wie Florian Homm oder Dirk Müller vor sogenannten Zombiefirmen. Das sind Konzerne und Betriebe, die kaum noch Gewinn erwirtschaften und hochverschuldet sind. Oftmals werden sie durch Staatskredite künstlich am Leben gehalten, da nicht zuletzt ihre oftmals große Anzahl an Beschäftigen den sozialen Frieden sichert. Die bekanntesten Unternehmen, die letztes Jahr nicht mehr zahlungsfähig waren und Tausende Mitarbeiter entlassen mussten, waren u. a. der Autozulieferer Borges aus NRW oder die MV Werften aus Mecklenburg-Vorpommern.

Beamtenbund-Chef droht mit Streiks: „Dann wird es richtig ungemütlich“

Vor den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen hat Ulrich Silberbach, Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, mit großflächigen Arbeitsniederlegungen gedrogt. Der Rheinischen Post sagte Silberbach:

„So wie ich die Äußerungen der Arbeitgeber gerade deute, wird es nicht bei den obligatorischen Warnstreiks bleiben. Denn wenn sie weiter derart auf der Bremse stehen, womöglich selbst noch mit Forderungen auf uns zukommen, schließe ich Flächenstreiks nicht aus. Dann wird es richtig ungemütlich.“

Am 24. Januar beginnen der dbb und Verdi mit Tarifverhandlungen für rund 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen. Die Gewerkschaften fordern 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hatte die Forderungen als „nicht leistbar“ abgelehnt.

 

Von Morpheus

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