Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind allein in diesem Jahr tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.

Folge der LNG-Importe: EU-Staaten kaufen den Gasmarkt leer

Als Folge der Energiekrise kaufen Deutschland und andere EU-Staaten vermehrt Flüssigerdgas (LNG) auf dem weltweiten Markt, doch diese Großeinläufe haben Folgen: Gas, das in Deutschland gekauft wird, fehlt in anderen Teilen der Welt. Dies wird nun auch durch Daten des Marktforschungsunternehmens Icis, die dem Handelsblatt vorliegen, belegt. Demnach sind die Gasimporte besonders in Schwellenländern und in großen asiatischen Staaten stark eingebrochen.

Deutschland und andere EU-Länder sind infolge der Energiekrise zu einem Großeinkäufer von LNG geworden. Im Sommer kaufte Deutschland besonders viel LNG auf dem Weltmarkt ein. Die Einkäufe erfolgten nach dem Motto: Koste es, was wolle. Bis Dezember hatte Deutschland jedoch keine geeigneten LNG-Terminals, das Gas für Deutschland kam daher in den Nachbarländern an. Von dort wurde das verflüssigte Gas dann weitergeleitet.

Aus den Icis-Daten geht auch hervor, dass Belgien im Jahr 2022 genau 167 Prozent beziehungsweise rund 5,7 Millionen Tonnen mehr LNG importierte als im Vorjahr. In Frankreich wurden 13 Millionen Tonnen LNG beziehungsweise 99 Prozent mehr importiert als im Jahr zuvor. Die EU nahm also riesige Mengen an LNG vom Weltmarkt, als Folge stiegen die Preise für Gas auf Rekordhöhen. Andere Länder konnten sich dadurch kein Gas mehr leisten. Icis-Gasexperte Andreas Schröder sagt:

„Das reiche Europa kauft dem Rest der Welt LNG weg. Europa treibt im Kaufrausch weltweit die Marktpreise für Gas und verdrängt damit preissensible Nachfrager.“

Wie aus den Daten hervorgeht, lassen sich vor allem in Schwellenländern auffällige Rückgänge bei den Gasimporten feststellen: Besonders betroffen waren demnach Brasilien, China, Indien und Pakistan. Besonders deutlich waren die Rückgänge in Brasilien mit einem Minus von 72 Prozent. In China betrug der Rückgang 21 Prozent, was aber auch an den Einschränkungen im Rahmen der Null-COVID-Politik des Landes zurückzuführen ist. In Pakistan betrug der Rückgang 18 Prozent, Indien kaufte 17 Prozent weniger Gas ein.

Der deutschen Industrie brechen die Aufträge weg

Die Industrie in der Bundesrepublik Deutschland hat im November einen herben Dämpfer beim Auftragseingang verzeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Freitag brach das Ordervolumen im Monatsvergleich um 5,3 Prozent ein. Ökonomen wurden vom Ausmaß des Rückschlags überrascht. Sie hatten im Schnitt nur einen leichten Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich fiel der Auftragseingang im November um 11,0 Prozent.

  • Der aktuelle Rückgang ist maßgeblich auf sinkende Auslandsaufträge zurückzuführen, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 8,1 Prozent gefallen sind. Dabei sanken die Auftragseingänge aus der Eurozone um 10,3 Prozent und die aus dem restlichen Ausland um 6,8 Prozent.

Von Morpheus

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