Ehemalige Nazis im Dienste von Uncle Sam: Das ist die Geschichte des BND, seines Gründers Reinhard Gehlen und seines treuen Dienstes für Washington. Aus der Geschichte einer strategisch so wichtigen Behörde wie dem BND, lässt sich schließen, dass Deutschland bis heute kein vollständig souveränes Land ist.

„Die Vereinigten Staaten besetzen im Wesentlichen immer noch Deutschland, Japan, die Republik Korea und andere Länder. Gleichzeitig nennt man diese Länder zynisch gleichberechtigte Verbündete. Aber was soll das für eine Zusammenarbeit sein?“

Diese Frage stellte der russische Präsident Wladimir Putin am 30. September 2022, während seiner Rede im Kreml, als die Beschlüsse über den Beitritt der neuen – ehemals ukrainischen – Regionen zur Russischen Föderation unterzeichnet wurden.

Der russische Präsident ging nicht weiter ins Detail, aber es ist schwer, gegen seine Worte zu argumentieren. Das mächtigste Land Westeuropas, Deutschland, handelt zunehmend gegen seine eigenen nationalen Interessen. Berlin stimmt seinen außenpolitischen Kurs mit Washington nicht nur auf regelmäßigen Gipfeln der NATO und der G7 ab, sondern auch über diskretere Kanäle. Einer dieser Kanäle ist der deutsche Auslandsgeheimdienst, offiziell Bundesnachrichtendienst (BND) genannt.

Diese Abteilung wurde in den Nachkriegsjahren von ehemaligen Nazis und Offizieren der SS als private Geheimdienstorganisation gegründet. Die Kontrolle über den Dienst lag jedoch vollständig in den Händen der Vereinigten Staaten und große Geheimdienstoperationen wurden immer im Interesse der USA durchgeführt. Zahlreiche journalistische Recherchen lassen den Schluss zu, dass sich an der Situation bis heute nicht viel geändert hat.

Wir erinnern an die Geschichte des deutschen Geheimdienstes als eines der loyalsten Werkzeuge in den Händen der Vereinigten Staaten.

Offizier, Spion und Nazi

Die Geschichte des BND ist untrennbar mit seinem Gründer, Reinhard Gehlen, verbunden. Er wurde am 3. April 1902 in Erfurt in die Familie des Oberleutnants a.D. Walter Gehlen hineingeboren. Die Familie stammte aus der flämischen Aristokratie, wo die Männer traditionell in der Armee dienten. Der junge Gehlen hatte alle Chancen, mit dieser Familientradition zu brechen – denn nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland durch den Versailler Vertrag hinsichtlich des Betriebs militärischer Bildungseinrichtungen stark eingeschränkt.

Alles änderte sich jedoch, als Adolf Hitler an die Macht kam. Unter Hitlers Herrschaft erneuerte Deutschland seinen Kurs in Richtung Militarisierung. Einer der ersten Schritte war die Wiederherstellung militärischer Bildungseinrichtungen, einschließlich der Akademie des Generalstabs. Der spätere Chef des BND war einer der ersten Absolventen dieser Akademie.

Im Jahr 1936 wurde Gehlen zum Offizier der operativen Abteilung der Gruppe Süd der deutschen Wehrmacht ernannt, unter der Führung eines der prominentesten Generäle des Zweiten Weltkriegs, Erich von Manstein. Dies diente Gehlen als Sprungbrett für seine weitere militärische Laufbahn. Während des Zweiten Weltkriegs stieg er in den Rang eines Generalleutnants auf und wurde Chef des militärischen Nachrichtendienstes des Oberkommandos der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) des Deutschen Heeres. In den Kriegsjahren sammelte diese Struktur große Datenmengen während der technischen, militärischen, strategischen und politischen Aufklärung in der Sowjetunion.

Tatsächlich verdankte Gehlen seine glänzende Militärkarriere ausschließlich den Nazis unter Adolf Hitler. Im Jahr 1944 war er sich jedoch der zunehmend düsteren Perspektiven dieses Regimes bewusst geworden. Als glühender Antikommunist beschloss er, sich einem der westlichen Alliierten anzuschließen, der bereit war, gutes Geld für seine Dienste zu zahlen. Der Geheimdienstchef ordnete an, zahlreiche Geheimdokumente zu kopieren und in wasserdichte Behälter zu stecken, die dann an verschiedenen Orten in den österreichischen Alpen vergraben wurden.

Es dauerte nicht lange, bis sich ein Abnehmer für diese Dokumente fand. Im Juli 1943 gründete die Militärabteilung des US-Verteidigungsministeriums das Department of Special Projects (zu Deutsch: Abteilung für Spezielle Projekte). Diese Organisation begann mit der Entwicklung eines geheimen Programms zur Umerziehung deutscher Kriegsgefangener.

Am 5. April 1945, einen Monat vor der deutschen Kapitulation, ergab sich Generalmajor Gehlen zusammen mit seinen Helfern Gerhard Wessel und Hermann Baun den amerikanischen Truppen und nahm die während des Krieges gesammelten Informationen über die Sowjetunion und die besten pro-amerikanischen Mitarbeiter mit. Kurz zuvor hatte sich George Catlett Marshall Jr. – damals Stabschef der US-Armee – bereit erklärt, die Archive der Militärverbände der Wehrmacht an der Ostfront analysieren zu lassen. Ebenfalls im April 1945 wurde eine Vereinbarung zwischen den Geheimdiensten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten geschlossen, die von den Deutschen gesammelten Erfahrungen bei der Durchführung von Militäroperationen gegen die UdSSR zu untersuchen. Gehlen kam da mit seinen Daten und seinem Wissen gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Bei seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten erhielt er das Pseudonym Hans Holbein und eine Dienstbescheinigung, mit der die Zusammenarbeit der US-Armee mit ehemaligen Angehörigen der SS verschleiert werden sollte. Aufgrund der Vereinbarung, die Gehlen mit der amerikanischen Regierung getroffen hatte, begannen ab Mitte September 1945 deutsche Kriegsgefangene in einem Lager mit der Postanschrift Postfach 1142, Fort Hunt, Virginia, USA, unter seiner Leitung mit Forschungsarbeiten. Das Projekt trug den Codenamen „B“ für Bolero.

Der Club der Nazis

Nach Informationen aus Archiven der CIA, nahmen von Oktober 1945 bis April 1946 etwa 200 deutsche Offiziere an diesem Programm teil. Das Ergebnis ihrer Arbeit war ein Bericht im Umfang von 3.657 Seiten, der für die Regierungen des Vereinigten Königreichs, der USA und Kanadas erstellt wurde.

Im Juli 1946 wurde die Bolero-Gruppe von Gehlen mit einer anderen Geheimdiensteinheit zusammengelegt, die sich ebenfalls aus ehemaligen Nazis zusammensetzte. Diese Gruppe wurde „Keystone“ (Grundpfeiler) genannt – ein Dienst, der die Funkübertragungen auf dem von der UdSSR kontrollierten europäischen Territorium überwachte. Geleitet wurde die Gruppe von Hermann Baun und hatte ihren Sitz in Oberursel, Deutschland. Die gemeinsame Operation dieser beiden Gruppen trug den Codenamen „Rusty“ (rostig) und ihre Hauptaufgabe bestand darin, Informationen über den Zustand der Streitkräfte der UdSSR zu sammeln, insbesondere jener, die sich in Ostdeutschland befanden.

Einige Monate später einigten sich Gehlen und die US-Regierung darauf, eine vollwertige Spionageagentur namens „Organisation Gehlen“ (OG) zu gründen. Gehlen selbst leitete die Organisation bis zu ihrer Auflösung. Einige der ersten Leute, die Gehlen rekrutierte, waren ehemalige Offiziere der SS und der Gestapo, die neue Namen erhielten und denen gefälschte Dokumente ausgestellt wurden. Die freigegebenen Archive der CIA enthalten ein Dossier über einen der Mitarbeiter der Organisation, Heina Paul Johannes, der in Einheiten der SS gedient hatte und der Organisation unter dem Namen Karl Schütz beitrat. Zu den ersten, die hinzukamen, gehörten auch die ehemaligen Obersturmführer der SS Franz Göring und Hans Sommer sowie der Sturmführer der SS Herbert Stein.

Gehlen nahm auch Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Mellenthin in die Organisation auf, den ehemaligen Kommandeur der 4. Panzerarmee, sowie Generalmajor Nichtke, der Divisionen in Polen und Russland befehligt hatte; Generalmajor Rudolf Kleinkamp, der den Personaldienst des Oberkommandos der Wehrmacht geleitet hatte; Generaloberst Heinz Guderian; den ehemaliger Militärattaché in Tokyo, Oberst von Kretschmer, sowie weitere Wehrmachtssoldaten.

Die leitenden Positionen an der Spitze der Gruppen waren mit ehemaligen Offizieren der SS besetzt, die Gehlen alle persönlich kannte. Oberst Heinz Heer wurde Chefanalytiker; Oberst Ulrich Noack leitete die Forschungsgruppe zur Wirtschaft der UdSSR; Hauptmann Blossfeldt leitete die Verhöre. Die Agenten, die der Organisation Informationen lieferten, bestanden ausschließlich aus Hitlergetreuen in der Ostzone, die während des Zweiten Weltkriegs auf der Seite von Nazideutschland an aktiven Feindseligkeiten gegen die Sowjetunion teilgenommen hatten.

Die neuen Aufgaben der ehemaligen Nazis

Offizielle Daten über die Organisation Gehlen fehlen aus offensichtlichen Gründen. Man weiß lediglich, dass unter verschiedenen Codenamen operiert wurde: von 1949 bis 1950 unter dem Codenamen „Offspring“ (Nachkomme oder Sprössling); von 1950 bis 1951 als „Odeum“ und von 1951 bis 1956 als „Zipper“ (Reissverschluss). Die Haupttätigkeit der Organisation bestand darin, Informationen aus den Ländern Osteuropas und der UdSSR zu beschaffen.

Am 1. April 1946 begann der Probeeinsatz der neuen Organisation, der anschließend eine positive Bewertung durch die Vertreter der US-Behörden erhielt. Die erste größere Operation der Organisation Gehlen wurde jedoch 1947 unter dem Codenamen „Aktion Hermes“ lanciert. Aufgabe war die systematische Vernehmung hunderttausender ehemaliger deutscher Kriegsgefangener, die aus sowjetischen Lagern in die Heimat zurückkehrten.

Die Agenten der Organisation hatten feste Positionen in den Übergangslagern für die ankommenden ehemaligen Kriegsgefangenen. Fast jeder Rückkehrer – ob Soldat oder Zivilist – wurde von Agenten angesprochen und nach ihren Aufenthalts- und Arbeitsorten befragt, wo sie eingesetzt wurden. Die Organisation war in erster Linie an möglichen Agenten auf der anderen Seite interessiert. Hauptthemen bei den Befragungen waren die sowjetische Industrie, Rüstung, Telekommunikation und die Einstellung der Bevölkerung zur Obrigkeit.

Dass die Befragungen auf einen deutlichen Anstieg der Produktion von Panzern und Kampfflugzeugen in der Sowjetunion nach 1945 hinwiesen, beunruhigte das US-Militär. Im Mai 1949 leitete der britische Geheimdienst daher die „Operation Jungle“ ein, deren Ziel es war, Abteilungen für Sabotage zu bilden, die unter dem Deckmantel nationaler Befreiungsbewegungen in den baltischen Sowjetrepubliken operieren sollten, und auch im sozialistischen Polen. Im Londoner Stadtteil Chelsea richtete der britische MI6 ein spezielles Zentrum ein, wo man Agenten ausbildete, die in die baltischen Sowjetrepubliken geschickt werden sollten. Die Operation wurde von Henry Carr, dem Direktor der Abteilung für Nordeuropa und dem Direktor der baltischen Abteilung, Alexander McKibbin, geleitet.

Die Organisation Gehlen war damit betraut, Agenten für diese Operation Jungle unter ehemaligen Mitgliedern der Wehrmacht und baltischen Nazis zu rekrutieren. Diese Agenten wurden anschließend auf dem Seeweg in die baltischen Sowjetrepubliken transportiert, unter dem Deckmantel eines fiktiven Unternehmens namens British Baltic Fishery Protection Service. Offiziell engagierte sich das Unternehmen dafür, westdeutsche Fischer vor „sowjetischer Willkür“ auf See zu schützen. Ihre Boote waren modifiziert und hatten ein reduziertes Gewicht, um ihre Geschwindigkeit zu erhöhen. Um die Beteiligung der britischen Regierung zu verschleiern, falls eines der Boote von der sowjetischen Marine aufgebracht werden sollte, bemannte die Organisation Gehlen sie mit deutschen Besatzungen. Das Ministerium für Staatssicherheit der UdSSR (MGB) bekam über seine eigenen Agenten in Großbritannien Wind von der Operation, und in der Folge wurden fast alle der 42 Agenten der Operation Jungle festgenommen.

Eine Feier auf wessen Kosten?

Reinhard Gehlen schrieb in seinen Memoiren:

„Bis 1956 hatten wir keine Möglichkeit, Mitarbeiter staatlich zu versichern, da der Arbeitgeber formell nicht existierte.“

In der Anfangsphase der Organisation Gehlen nutzte Washington diese als Zelle innerhalb der eigenen Streitkräfte. Es war Aufgabe der US-Armee, die Organisation der ehemaligen NS-Geheimdienstoffiziere mit technischen Hilfsmitteln auszustatten – von der Schreibmaschine bis zum Funkgerät. Diese neu geschaffene Zelle wurde ausschließlich aus dem US-Haushalt finanziert. Die Höhe der zugewiesenen Mittel reichte Berichten aus verschiedenen Quellen zufolge von 1,5 bis 3,4 Millionen US-Dollar pro Jahr, für 50 Mitarbeiter.

Darüber hinaus versorgte die US-Armee die Organisation mit Bargeld sowie Konsumgüter aus ihren Beständen, die von der Organisation auf dem Schwarzmarkt gegen Geld, als Tauschware oder als Zahlungsmittel eingetauscht wurden. Im September 1946 erhielt die Organisation Gehlen von der US-Armee 160.000 Zigaretten, 43.300 Liter Benzin und ungefähr 50.000 US-Dollar in bar. In der Zeit von Juli bis Oktober 1948 wurden 82.153 Tafeln Schokolade, 67.150 Zigarettenschachteln, 4.500 Rasierklingen und 1.815 Paar Wollsocken für die Organisation bereitgestellt.

Die amerikanische Journalistin Mary Ellen Rees schrieb in ihrem Buch „Reinhard Gehlen: The CIA Connection“:

„Die schnell expandierende Organisation von Gehlen brauchte ständig Geld. Was die US-Armee zur Verfügung stellte, reichte bei Weitem nicht aus und der Schwarzmarkt wurde zu ihrer Haupteinnahmequelle. Das System war ebenso effektiv wie schamlos. Die Armee versorgte die Organisation mit Konsumgüter, die dann auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden. Die Division für kriminelle Angelegenheiten der US-Army beschlagnahmte dann die verkauften oder getauschten Waren, mit der Begründung, sie seien illegal auf den Schwarzmarkt gelangt, nahm sie erneut in den Besitz der Regierung der USA, nur um sie dann erneut an die Organisation Gehlen zu übergeben, die sie dann wiederum auf den ‚Schwarzmarkt‘ brachte. Nach der Währungsreform im Juni 1948, als die D-Mark eingeführt wurde, wurde dieser gewinnbringende Kreislauf zur Überlebensfrage. Laut Gehlen ging die Finanzkraft der Organisation um 70 Prozent zurück.“

Im Jahre 1949 wurde die Organisation Gehlen der CIA unterstellt und blieb unter ihrer Kontrolle, bis Westdeutschland im September desselben Jahres eine neue Regierung bildete, für welche die Organisation dann weiterarbeitete. Unter den Dokumenten, die in den Archiven der CIA gefunden wurden, befanden sich auch Gehaltsabrechnungen der Organisation. Das Gehalt pro Mitarbeiter lag damals zwischen 500 und 900 US-Dollar. Ab Anfang der 1950er Jahre finanzierte die deutsche Wirtschaft die Organisation Gehlen dann über eine Agentur mit dem Decknamen „Industrielles Forschungsinstitut“.

Im Jahre 1951 erhielt die Organisation 600.000 D-Mark von den Firmen Standart Elektrik AG, Rodenstock und Messerschmitt. Ab 1954 stellte Bonn eine monatliche Förderung in Höhe von 30.000 D-Mark zur Verfügung. Das Geld stammte aus dem Reptilienfonds des Bundeskanzlers, das im weiteren Sinn eine schwarze Kasse war.

Die Geburtsstunde des westdeutschen Geheimdienstes

Gehlen gab im Juni 1950 gegenüber Hans Globke, dem Staatssekretär im Bundeskanzleramt, seine Einschätzung für die Schaffung eines westdeutschen Auslandsnachrichtendienstes ab und sprach im September desselben Jahres mit Bundeskanzler Konrad Adenauer darüber. Seine Ansichten fanden schließlich Unterstützung – auch auf Grund der sich veränderten Situation in der internationalen Politik.

Im Juni 1950 begann der Koreakrieg, was deutlich machte, dass der Kalte Krieg jeden Moment zu einem heißen werden könnte. Im geteilten Deutschland standen sich zwei gegensätzliche Gesellschaftssysteme – Kommunismus und Kapitalismus – buchstäblich gegenüber. Der neue Krieg in Asien unterstrich die lebenswichtige Notwendigkeit, Informationen über den Feind zu sammeln, und er bestimmte die Geheimdienstprioritäten.

Das Hauptaugenmerk lag bei der militärischen Spionage: Die Truppen in Ostdeutschland wurden von der sogenannten „Nahbereichsaufklärung“ überwacht. In Polen, der Tschechoslowakei und anderen Ostblockstaaten (darunter Jugoslawien und Albanien) war die sogenannten „Tiefenaufklärung“ tätig. Und in der Sowjetunion selbst die sogenannte „Langstreckenaufklärung“.

Die intensiven Bemühungen, die Organisation Gehlen in das Gefüge der Bundesregierung einzugliedern und damit ihre Finanzierung zu sichern, wurden fünf Jahre später von Erfolg gekrönt, als das Ministerkabinett am 11. Juli 1955 endgültig beschloss, die Organisation zu übernehmen und sie dem Bundeskanzleramt zu unterstellen. Weniger als ein Jahr später, am 1. April 1956, wurde die Organisation Gehlen in „BND“ umbenannt, aber ihre Struktur hatte sich in keiner Weise geändert. Gehlen selbst blieb für weitere 12 Jahre Geheimdienstchef.

Es gibt keine offiziellen Zahlen oder wissenschaftlich fundierte und unabhängige Daten darüber, wie sich die Zahl der Mitarbeiter des BND seit 1956 entwickelt hat. Nach allgemein akzeptierter Meinung in der ehemaligen DDR verdoppelte sich die Zahl der Mitarbeiter von 1.245 Personen im Jahr 1956 auf 2.500 im Jahr 1963. Dann noch einmal auf 5.000 im Jahr 1968, und im Jahr 1977 beschäftigte der BND 6.500 Mitarbeiter und Offiziere, die von der Bundeswehr abkommandiert wurden.

Alte Gewohnheiten in neuem Gewand

Obwohl der BND formell zum souveränen Geheimdienst eines formell souveränen Staates wurde, nahm er weiterhin Aufgaben im Interesse der US-Regierung wahr. Dies wurde unter anderem durch eine Recherche der Washington Post und des  ZDF bestätigt.

Die Recherche bezieht sich auf Archivunterlagen der CIA und des BND und stellt fest, dass die CIA in Zusammenarbeit mit dem BND ein halbes Jahrhundert lang, seit den 1950er Jahren, die geheime Korrespondenz der Regierungen von 120 Ländern mitgelesen und daraus finanzielle Gewinne in Höhe von mehreren Millionen Dollar erzielt hat. Dies wurde über die Schweizer Firma Crypto AG abgewickelt, die Verschlüsselungsapparate herstellt.

Vieles spricht dafür, dass der deutsche Geheimdienst bis heute im Interesse der Vereinigten Staaten tätig ist. So berichtete die Bild am Sonntag 2015 unter Bezugnahme auf eine schriftliche Stellungnahme des BND, dass der deutsche Geheimdienst im Auftrag der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) Informationen über Österreich gesammelt habe. Das Blatt hatte zuvor außerdem berichtet, dass der BND dem NSA geholfen habe, Spionage gegen Mitglieder der französischen Regierung und der Europäischen Kommission zu betreiben.

Der Nachrichtendienst eines jeden Landes ist ein Symbol seiner Souveränität und ein Instrument zur Lösung staatlicher Probleme, die nationalen Interessen untergeordnet sind. Aus dem oben Gesagten sowie aus der Geschichte einer strategisch so bedeutenden Behörde wie dem BND, lässt sich schließen, dass Deutschland bis heute kein vollständig souveränes Land ist.

Übersetzt aus dem Englischen.

 ‚R-Techno‘ ist ein privates Geheimdienstunternehmen.

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