Nach Agentur- und Medienberichten hat die Weltgesundheitsorganisation wegen des zunehmenden Ausbruchs von Affenpocken die höchste Alarmstufe ausgerufen und das Virus zu einem internationalen Gesundheitsnotfall erklärt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpocken-Ausbruch in mehr als 50 Ländern zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Das gab WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Sonnabend bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Einstufung soll die Aufmerksamkeit der Mitgliedsländer erhöhen, hat aber keine direkten praktischen Folgen, denn die Regierungen entscheiden selbst über etwaige Maßnahmen in ihren Ländern.

Wie CNBC schreibt, bedeutet diese Einstufung, dass die WHO den Ausbruch nun als eine so große „Bedrohung“ für die globale Gesundheit ansieht, dass eine koordinierte internationale Reaktion erforderlich sei, um eine weitere Ausbreitung des Virus und eine mögliche Pandemie zu verhindern.

Obwohl die Erklärung den nationalen Regierungen keine Verpflichtungen auferlege, soll sie – jedenfalls nach Auffassung der WHO – als dringender Aufruf zum Handeln verstanden werden. Die WHO kann ihren Mitgliedstaaten nur Hinweise und Empfehlungen geben, aber keine Vorgaben machen. Die Mitgliedstaaten seien verpflichtet, Ereignisse zu melden, die eine „Bedrohung für die globale Gesundheit“ darstellen könnten, heißt es.

Tedros nannte die Zahl von mehr als 16.000 bestätigten Fällen in mehr als 60 Ländern, von denen viele vorher praktisch keine Affenpocken-Fälle kannten. In sechs afrikanischen Ländern, in denen das Virus schon früher auch Menschen infiziert hat, waren es über 240 Fälle. In Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut am Freitag knapp 2300 Fälle.

Ein Ausschuss aus – wie betont wird – „unabhängigen Fachleuten“ hatte sich zuvor nicht auf eine gemeinsame Empfehlung geeinigt, ob eine Notlage ausgerufen werden sollte. Die englische Abkürzung für eine Notlage ist PHEIC. Das steht für „public health emergency of international concern“.

Auch den Ausbruch des Coronavirus Sars-CoV-2 hatte die WHO am 30. Januar 2020 als solche Notlage deklariert. Dies bedeute aber nicht, dass nun bei den Affenpocken dieselben Maßnahmen wie in der Corona-Krise zu erwarten seien.

Während sich das Coronavirus durch Aerosole mit Virenpartikeln verbreitet, die Infizierte beim Atmen, Sprechen oder Husten abgeben, erfolgen Infektionen mit Affenpocken nach derzeitigem Wissensstand in der Regel durch engen Körperkontakt.

Die WHO richtet je nach Krankheit bei Bedarf Notfallausschüsse ein, die mit jeweils anderen Fachleuten besetzt werden. Zur Zeit gilt neben der Notlage internationaler Tragweite wegen Corona seit 2020 auch eine Notlage wegen Polio-Ausbrüchen (seit 2014).

„Abgeschlossene Notlagen“ waren der Ausbruch der Schweinegrippe H1N1 (2010), des Zika-Virus (2016) und von Ebola (2014-2016 und 2019). Die WHO hatte seinerzeit auch Notfallausschüsse wegen Mers-CoV (2013-2015) und wegen Gelbfieber (2016) einberufen. Die dazu konsultierten Fachleute kamen aber nicht zu dem Schluss, dass eine Notlage internationaler Tragweite erklärt werden müsste.

Von Morpheus

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