Eine der größten US-Anlagen zur Herstellung von Flüssigerdgas (LNG) für den Export wurde durch eine Explosion und einen anschließenden Brand schwer beschädigt. Das wichtige Exportterminal in Texas soll für mindestens drei Wochen geschlossen bleiben. Die Märkte reagierten bereits.

Eine Explosion hat eine der wichtigsten Großanlagen zur Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in den USA so schwer beschädigt, dass diese ihren Betrieb für mindestens drei Wochen einstellen muss. In der Anlage an der texanischen Golfküste brach nach der Explosion ein Feuer aus. Der Vorfall hatte sich am Mittwoch gegen 11.40 Uhr lokaler Zeit in Quintana, etwa 112 Kilometer südlich von Houston ereignet.

Das Betreiber-Unternehmen Freeport LNG machte bislang keine Angaben zur Brandursache, sondern teilte lediglich mit, dass es keine verletzten Mitarbeiter bei dem „Zwischenfall“ gegeben habe und dass das Feuer inzwischen unter Kontrolle sei. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr. Seitens des Konzerns hieß es zudem am Mittwochabend:

„Infolge des heutigen Brandes ist die Anlage von Freeport LNG derzeit abgeschaltet und wird für mindestens drei Wochen außer Betrieb bleiben.“

Das Ausmaß des Sachschadens ist noch unklar. Nachdem einige Zeugen von einem ohrenbetäubenden Knall und einer großen Rauchwolke in der Gegend berichtet hatten, zeigten auch Luftaufnahmen lokaler Fernsehsender Feuerwehrleute bei Löscharbeiten im Werk.

In dem Freeport-Terminal können täglich etwa zwei Milliarden Kubikfuß Erdgas (bcfd) abgekühlt und verflüssigt werden. Über die Anlage werden fast 20 Prozent der gesamten US-LNG-Exporte abgewickelt. Das Werk von Freeport beliefert unter anderem BP und Total in Europa sowie Jera und Osaka Gas in Japan.

Insgesamt beliefen sich die US-amerikanischen LNG-Exporte im Jahr 2021 auf etwa 9,75 Kubikfuß pro Tag und erreichten in diesem Jahr einen Rekordwert von 100 Milliarden Kubikmetern, wie die Angaben der US-Statistikbehörde Energy Information Administration zeigen. Seit dem Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine Ende Februar versuchen vor allem europäische Staaten, ihre Abhängigkeit von russischen Energieträgern durch den Kauf von Flüssigerdgas zu verringern. Laut einem Bericht von Bloomberg haben die Vereinigten Staaten in den ersten vier Monaten dieses Jahres fast drei Viertel ihres LNG nach Europa exportiert.

Die vorläufige Schließung der Anlage an der texanischen Golfküste dürfte deshalb auch weitreichende Auswirkungen auf die globalen Märkte, vor allem auf die europäischen und asiatischen, haben. Während die Erdgas-Preise in den USA am Mittwoch um mehr als 6 Prozent einbrachen, trieb der Vorfall die Preise in Europa in die Höhe. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge stiegen die europäischen Gaspreise am Donnerstag bereits um bis zu einem Fünftel. Demnach befürchteten die Händler, dass der Ausfall der US-Lieferungen einen Markt belasten würde, der ohnehin bereits mit reduzierten russischen Lieferungen zu kämpfen habe, so Reuters weiter.

Hierbei handele es sich um „einen bedeutenden Produktionsausfall in einer großen US-Anlage“, zitiert Reuters einen Experten. Freeport LNG würde rund vier Ladungen pro Woche verschiffen und diese dreiwöchige Unterbrechung würde mindestens eine Million Tonnen LNG vom Markt nehmen, erklärte der Experte gegenüber der Nachrichtenagentur. Dies bedeute „Knappheit“, was zu höheren Preise führen werde.

Insbesondere Europa sieht sich aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie verursachten Unterbrechung der Versorgungsketten und der beispiellosen westlichen Sanktionskampagne gegen Moskau bereits mit einer großen Energiekrise konfrontiert. Trotz aller Bemühungen, die Beziehungen zu beenden, bezieht die Europäische Union immer noch etwa 40 Prozent ihrer gesamten Erdgaseinfuhren aus Russland. Dies erfolgt größtenteils über Pipelines. So hat die Staatengemeinschaft im Jahr 2021 rund 155 Milliarden Kubikmeter gekauft.

Die US-Exporte in die EU beliefen sich im vergangenen Jahr auf etwas mehr als 22 Milliarden Kubikmeter. Präsident Joe Biden hatte jedoch angekündigt, die LNG-Lieferungen 2022 um 15 Milliarden Kubikmeter zu erhöhen. Doch einige Analysten sind der Meinung, dass die USA bereits mit ihrer vollen Kapazität produzieren und dass zusätzliche Gasverkäufe nach Europa von den für andere Abnehmer bestimmten Exporten abgezogen werden müssten.

Von Morpheus

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