Militärische Funkstille zwischen USA und Russland

USA und Russland halten den Kontakt zwar aufrecht, dennoch wächst in Washington die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs. Denn während Russlands Angriffe den NATO-Grenzen näher kommen, scheitern einem Bericht zufolge Kontaktversuche auf höchster militärischer Ebene.

WASHINGTON (dpa-AFX) – Zwischen den USA und Russland kommt laut einem Bericht der „Washington Post“ derzeit keine Kommunikation auf höchster militärischer Ebene zustande. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hätten US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und Generalstabschef Mark Milley vergeblich versucht, mit ihren russischen Kollegen Sergej Schoigu und Waleri Gerassimow zu telefonieren, schrieb die Zeitung am Donnerstag. Die Russen hätten es bislang abgelehnt, darauf einzugehen, zitierte das Blatt Pentagon-Sprecher John Kirby.

Die beiden Atommächte blieben dadurch im Unklaren, was Erläuterungen zu militärischen Bewegungen betreffe, so die „Washington Post“. Dies schüre die Furcht vor einer größeren Fehleinschätzung oder einem Versehen auf dem Schlachtfeld. Zwar unterhielten Washington und Moskau einen Kommunikationskanal zur Konfliktlösung, aber um eine unnötige Eskalation und Verwirrung zu vermeiden, sei der Kontakt zwischen hochrangigen Militäranführern notwendig, zitierte die Zeitung Verteidigungsexperten.

Denn ohne einen direkten Kontakt zwischen ranghohen Militärs sei die Gefahr einer Eskalation groß, sagte der frühere US-Admiral und Nato-Oberbefehlshaber James Stavridis dem Blatt. „Im Ukraine-Krieg fliegen sehr junge Leute Jets, steuern Kriegsschiffe und führen Kampfhandlungen an. Sie sind keine erfahrenen Diplomaten, und ihre Handlungen in der Hitze des Gefechts können missverstanden werden“, sagte er. „Wir müssen ein Szenario vermeiden, in dem die Nato und Russland schlafwandelnd in den Krieg ziehen, weil hochrangige Anführer nicht zum Hörer greifen und einander erklären können, was passiert“, ergänzte Stavridis./jv/DP/eas

Die vergeblichen Kontaktversuche von Austin und Milley seien der „Washington Post“ umso bedeutender, da Russland inzwischen auch Ziele in der Nähe der Landesgrenzen zu den NATO-Mitgliedsstaaten Polen und Rumänien angreife. Dies erhöhe das Risiko einer direkten Konfrontation zwischen NATO und Russland, da die USA und mehrere europäische Länder im Luftraum über der Ostsee patrouillieren und per Bodentransport Waffen und weitere Ausrüstung in die Ukraine bringen.

 

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